Der Abteilkönig
Was gleitet verspätet durch Nacht und Wind?
Es ist der InterCity "Hera Lind".
Der Vater, der weich und gepolstert sitzt,
Hält seinen Jüngsten, der ängstlich schwitzt.
"Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?"
"Ich seh, mein Vater, den Bahnhof noch nicht"
"Mein Sohn, dir sei nicht bange,
Da kommt der Schaffner mit Mütze und Zange."
"Zeigt her eure Tickets und Fahrausweise
Nur damit durftet ihr mit auf die Reise.
Die ist wieder länger, ja lang schon genug.-
Du liebes Kind, komm, ich zeig dir den Zug"
"Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht
Was Fahrkartenknipsknecht da leise verspricht?"
"Sei ruhig, bleibe ruhig mein Sohn.
Der Fahrplan spricht selber sich Hohn."
"Willst feiner Knabe du mit mir geh'n?
Im Bordrestaurant ist's wunderschön.
Die Limo ist warm dort - die Suppe lang' kalt.
Und der welke Salat ist wirklich schon alt."
"Mein Vater mein Vater, siehst du nicht dort
Den Speisen-Aufwärmer am unschönen Ort?"
"Mein Sohn, mein Sohn, ich seh es genau:
Hinter Mehdorns Fassaden scheint alles so grau."
"Mit dem Zug kommst du an, das ist hier der Standard,
und willst du's ganz billig, dann hol dir die BahnCard."
"Mein Vater, mein Vater, jetzt zielt er nach mir!
Der Mitropa-Kellner begießt mich mit Bier!"
Dem Vater grausts; er erhebt sich geschwind,
in seinen Armen tropft biernass das Kind,
Durch die Schwebetür auf alle Fälle
Entflieht er der Bewirtungs-Hölle.
Noch immer verspätet durch Wind und Nacht
Schienet ein Schnell-Zug, in dem keiner lacht.
Des Vaters Blick auf den Sohn will uns sagen:
"Beim nächsten Mal nehm' wir wieder den Wagen."
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